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Autorenporträts
Bernhard Schlink: Der Vorleser
Zum Buch
Michael Berg ist 15 Jahre alt und an Gelbsucht erkrankt. Als er sich in einem Hauseingang übergibt hilft ihm eine Frau. Nach mehreren Wochen Krankheit möchte er sich bei dieser bedanken und kauft ihr Blumen. Sie nimmt jene entgegen und bittet Michael auf sie zu warten. Als sie ihn dabei ertappt, wie er sie beim umziehen beobachtet, verlässt er fluchtartig das Haus.
Einige Tage später zieht es ihn wieder vor ihre Tür. Da sie nicht zu Hause ist, setzt er sich auf die Treppen und wartet. Als sie kommt, schleppt sie Kohlen und bittet ihn darum weitere aus dem Keller zu holen. Durch sein Ungeschick wird er dabei schmutzig und sie besteht darauf ihm ein Bad einzulassen.
Als sie kommt um ihn abzutrocknen, traut er sich aus Scham nicht aufzublicken und merkt daher nicht, dass sie ebenfalls nackt ist. Nach dem Abtrocknen kommt es zum Liebesakt. In der Nacht darauf kann Michael nicht schlafen und ist innerlich stark aufgewühlt.
Künfitg besucht er sie regelmäßig und Michael schwänzt teilweise auch Schulstunden, um mit ihr zusammen sein zu können. Nun erfährt man, dass Michael's Geliebte Hanna heißt. Als die beiden auf das Thema Schule kommen und Michael berichtet er bleibe sitzen und schwänze die Schule, jagt Hanna ihn aus dem Haus.
Beim nächsten Treffen ist der Streit geklärt und die beiden kommen wieder auf die Schule zu sprechen. Hannah fragt nach, was er im Deutschunterricht lernt und verlangt daraufhin von ihm, dass er ihr vorliest.
Im weiteren Verlauf des Buches unternehmen sie eine Reise und es zeigen sich erste Anzeichen, dafür, dass Hanna eine Analphabetin ist. Eines Tages sieht Michael Hanna kurz im Schwimmbad. Er traut sich aber nicht zu ihr und als sie wieder verschwindet macht er sich Vorwürfe sie verleugnet zu haben. Auch, weil er seinen Freunden nichts von ihr erzählt hat.
Am nächsten Tag kommt sie nicht nach Hause und er wartet vergebens. Ein Anruf bei der Straßenbahngesellschaft bringt Klarheit: Hanna kam nicht zur Arbeit. Auch die Vermieterin macht ihm keine Hoffnung. Hanna sei ausgezogen. Langsam realisiert Michael, dass seine Geliebte die Stadt verlassen hat.
In diesem Moment bricht es ihm das Herz und seine Welt geht kaputt. Dieser Einschnitt in sein Leben setzt sich das ganze Buch hindurch fort und beeinflusst sein ganzes Leben. Von nun an leidet er scheinbbar unter einer Betäubung.
Dies wird besonders deutlich, als er Hanna in einem Gerichtsaal wieder trifft. Sie ist Angeklagte in einem KZ-Prozess und Michael als Jurastudent und Beobachter zugegen. Die Begegnung wird ohne Gefühle geschildert und Michael "sagt" selbst es berühre ihn nicht, dass er sie dort sehe.
Mein Fazit
Bernhard Schlink setzt sich in seinem Buch "Der Vorleser" mit der Frage auseinander, wie mit den Tätern des Holocaust verfahren werden sollte. Ob sie Schuld hätten und in wieweit. Dieses "eigentliche" Thema tritt erst im zweiten Zeil zu tage. Zuvor musste ich mich fragen in welche Richtung sich das Buch entwickelt. Für mich war auf den ersten Blick kein direkter Konflikt zu erkennen. Sicherlich der Altersunterschied, aber ich glaubte nicht, dass es der zentrale Inhalt des Buches war.
Letztendlich erscheint mir die Beziehung zwischen Hanna und Michael als unnötig. Ich stelle mir an dieser Stelle die Frage warum Bernhard Schlink diesen Teil mit in sein Buch genommen hat. Vielleicht wollte er Nähe schaffen oder die Schwierigkeit darstellen, wie man über Hannah urteilen sollte. Ob man es überhaupt sollte. Ich denke an dieser Stelle bietet "Der Vorleser", wie an vielen anderen, einen großen Interpretationsraum.
Insgesamt wirkt das Buch auf mich sehr nachdenklich. Persönlich habe ich das Gefühl, dass innere Dialoge überwiegen und die Stimmung von Kälte geprägt ist. Zum Teil rutscht "Der Vorleser" an einigen Stellen in die Philosophie ab, was bei dem Thema aber verständlich ist.
Obgleich die Handlung als nicht abwechslungsreich erscheint, wird das Buch keinesfalls langweillig. Die kurzen Kapitel sorgen für ein schnelles vorankommen, sodass man sich nicht endlosen langweilligen Schilderungen von Umgebung und Person gegenüber sieht. Alles in allem empfinde ich die Art und Weise wie Bernhard Schlink dieses Buch geschrieben hat, als passend.
Zusammenfassend kann ich dieses Buch auf jedenfall weiterempfehlen. Es ist spannend und anschaulich geschrieben. Auch das Thema wird gut dargestellt. Alle Teile des Buches sind ausgeglichen und der Autor geht nie zu sehr ins Detail und bleibt dennoch nicht an der Oberfläche.